Ein erfolgreicher Spät-Einsteiger der Bühnenpoesie





Ein erfolgreicher Spät-Einsteiger der Bühnenpoesie



Slampoet und Autor Micha Ebeling war Kellner, Taxifahrer und ein Stammgast des „Zosch“. Dort lernte er 1996 die Lesebühne „Liebe statt Drogen“ kennen. „Team LSD“ war schliesslich auch der Name seines Slamteams mit Volker Strübing. Mit ihm gewann er drei Mal an den deutschsprachigen Meisterschaften den Meistertitel im Teamwettbewerb.

Mit Worten kann Micha Ebeling umgehen, wie ein Musiker mit Noten. Er bringt sein Publikum zum Lachen, kann Ironie in Poesie packen und wird hin und wieder zynisch und provozierend. Vor 16 Jahren lernte der Poet aus Deutschland Poetry Slam kennen. „Es ärgert mich bis heute, dass ich das erst so spät mitbekommen habe. Ansonsten wäre vielleicht noch was aus mir geworden“, sagt Ebeling und lacht. Die Bühne war ihm nicht fremd, bereits seit 1996 stand er auf Lesebühnen, fand aber erst acht Jahre später mit 38 Jahren zum Slam.

Seine erste Meisterschaft war 2004 in Stuttgart. Seither, so der Slampoet, habe sich die Szene schon verändert. „Wer damals mit Slam begann, fing einfach an zu schreiben. Es gab nicht diese unzähligen Youtube-Clips von Slammern. Man hat nicht gewusst, wer was macht. Man hat sich einfach als Einzelkämpfer in die Arena gestellt“, sagt Ebeling. Er sagt, man habe sich selbst erfunden – oder eben sein Bühnen-Ich. Heute seien die Anfänger bereits auf einem viel höheren Niveau. „Sie erhalten gute Grundlagen, es gibt Workshops und Vorbilder“, sagt er. „Es ist schwieriger geworden, individuell zu sein und sich einen eigenen Stil zuzulegen.“ Stören tut ihn das nicht, er stellt es vielmehr fest.

Ebeling mag die kleinen Lesebühnen heute mehr als die grossen Meisterschaften und Wettkämpfe. „Früher waren die Slams sowieso eher klein, dann sind sie immer grösser geworden. Ich fand das gut, spannend und verrückt. Heute allerdings muss ich nicht mehr unbedingt vor einer aufgepeitschten Masse auftreten. Ich gehe lieber an die kleinen Slams oder an Lesebühnen. Das entspricht mir mehr“, sagt Ebeling.

Dennoch: Sein Auftritt 2017 in der Staatsoper Hannover, wo er mit Volker Strübing zum dritten Mal Vize-Meister wurde, ist ihm in guter Erinnerung geblieben. „Es ist einer der schönsten Orte, an denen Slam stattfindet.“

In der Schweiz ist der Slampoet häufig, und er ist gerne hier. Ebeling kann jodeln und empfiehlt jedem, der für einen Auftritt in die Schweiz kommt, etwas mehr Geld als üblich einzustecken. „Kaffee, Bier und Döner sind hier nun einmal teurer. Und es wäre ja schade, nicht in ein schönes Café mit Aussicht zu gehen, nur, weil hier die Preise etwas anders sind.“ Er ist zwar grosser Schweiz-Fan, aber auftreten tut er im gesamten deutschsprachigen Raum.

„Ich fühle mich wohl hier. Ich bin ein grosser Freund der Schweizer Dialekte. Das ist für mich wie Musik, auch wenn ich die Menschen oft nicht verstehe. Aber ich spreche ohnehin keine Fremdsprachen“, sagt Ebeling. Die Schweiz ist für ihn wie ein guter Freund, den man gerne besucht. Ein Land, in das er gerne kommt. Auch das Essen mag er. Und die Schweizer. „Keiner möchte etwas Besonderes sein und keiner muss unbedingt herausstechen. Die Kollegen sind sehr gut vernetzt, es funktioniert alles ohne einen Ober-Guru, das scheint mir angenehm. Ich wurde immer gut aufgenommen von den Leuten, die ich hier kennengelernt habe“, sagt Ebeling. Einer seiner letzten Auftritte in der Schweiz war an der Lesebühne „Tatwort“ mit Richi Küttel, Ralph Weibel und Etrit Hasler. Das Publikum hat ihn gefeiert, und Ebeling war zufrieden, dass er es als Deutscher dennoch vermocht hat, die Schweizer zum Lachen zu bringen. Seine Ziele für die Zukunft? „Kurzfristig steht jetzt erst mal die Entscheidung an, ob Volker Strübing und ich rechtzeitig zwei gute Texte fertig kriegen für die Meisterschaften in Zürich. Die Qualtiät der Team-Texte aus der Schweiz ist zur Zeit enorm hoch, wie man auf der letzten Schweizermeisterschaft erleben konnte.“, sagt Ebeling.

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